ägnw eG Ärztegenosssenschaft Niedersachsen-Bremen


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Endlich mal wieder Arzt sein dürfen
Wer träumt nicht mitunter davon, einmal wieder einfach nur Arzt sein zu können, Menschen zu helfen ohne bürokratische Hindernisse, frei von Budgetzwängen, KV-seitigen oder Kassenseitigen Anfragen, Reglementierungen und Kontrollen? Zwei Gründungsmitglieder der Ärztegenossenschaft Niedersachsen-Bremen haben diesen Traum jüngst wenigstens für einige Tage verwirklichen können. Dr.Jörg Berling und Michael Otto haben im Herbst 2009 ihre ersten Einsätze für CHC: „Cargo Human Care" in Kenia absolviert. Hier der Bericht unseres Vorstandsmitglieds Jörg Berling:

„Als ich im Frühjahr von dem Hilfsprojekt des CHC in der Nähe von Nairobi las, wurde mir sofort klar, dass ich dabei mitmachen möchte. Fokko Doyen und Dr. Sven Sievers, der eine Flugkapitän von Lufthansa-Cargo, der andere pensionierter Gynäkologe, haben ein Hilfsprojekt ca. 20 km nordwestlich der Kenianischen Hauptstadt ins Leben gerufen. Sie haben für 84 Aidswaisen, die in elenden Baracken hausten, durch deutsche Spendengelder ein neues Zuhause errichtet und in dem neuen Gebäude gleich eine Anlaufpraxis für die örtliche Bevölkerung gebaut. Träger ist die örtliche Anglikanische Kirche, die Finanzierung, Gestaltung und Organisation hat CHC übernommen. Im „Mother Mercy Home" (MMH) werden seit April 2009 täglich Patienten von sechs einheimischen Schwestern versorgt. Dafür stehen zwei Behandlungszimmer, eine Anmeldung, eine Warteraum und ein Vorratsraum mit Medikamenten zur Verfügung (Apotheke). Alle zwei Wochen fliegen zwei Ärzte aus Deutschland für einen knapp einwöchigen Einsatz dorthin. Das Ärzteteam besteht aus 32 Kolleginnen und Kollegen verschiedener Fachrichtungen, die ihre Zeit und Arbeitskraft für jeweils einige Tage zur Verfügung stellen.

Mein erster Einsatz startete um Mitternacht an einem regnerischen Samstag Ende November in Frankfurt. Mit einer Frachtmaschine flog ich zusammen mit einem bereits Keniaerfahrenen Pädiater aus Hessen zu meinem ersten Einsatz. Aufregend war schon allein der Flug in ungewohnter Atmosphäre: Wir saßen im Cockpit direkt hinter den Flugkapitänen und hatten die Möglichkeit zum Schlafen auf einem provisorischen Bett vor dem riesigen Frachtraum mit 240 Tonnen Transportgütern. Nach der Ankunft am frühen Morgen in Nairobi bei angenehmen 20 Grad ging es zunächst in unser Hotel. Fahrer Henry holte uns zur ersten Sprechstunde ins MMH ab. Dort warteten in einer Art Buswartehäuschen auf dem Gelände des Kinderheims bereits unsere ersten Patienten. Nach einer kurzen und herzlichen Begrüßung durch die Schwestern ging es auch schon an die Arbeit. Viele Krankheiten waren mir gut vertraut wie Diabetes, Hochdruck, Asthma und Herzschwäche. Andere waren mir als Europäer fremd und höchstens theoretisch flüchtig bekannt: z.B. Typhus, Malaria und Amöbenruhr. Die Not der Patienten dort ist natürlich meist um ein Vielfaches größer als bei uns, da die meisten in ärmlichen und hygienisch schlechten Verhältnissen leben. Sie sprechen überwiegend nur Kisuaheli.

 

 

Die liebenswerten, stets fröhlichen und hervorragend ausgebildeten Nurses sprechen jedoch alle gut Englisch und halfen mir sehr im Umgang mit den für mich eher ungewohnten Krankheitsbildern. Und so fand ich mich eigentlich schnell zurecht, zumal außer einer kurzen Dokumentation (sogar per EDV - wenn die Stromversorgung klappt!) keine Bürokratie die ärztliche Arbeit lähmt. Von morgens bis abends, unterbrochen von einer Mittagspause und zweimal Teatime (britische Tradition) konnten mein kinderärztlicher Kollege und ich uns ausschließlich der Medizin widmen. Auch die Medikamentenversorgung klappte in Eigenregie hervorragend. Die Schwestern gaben die von mir genannte Medizin in abgezählter Stückzahl heraus. Die Patienten müssen nur umgerechnete und eher symbolische 50 €cent für die Medizin bezahlen. Bereits am Abend des ersten Arbeitstages hatte ich das glückliche Gefühl, meinen Beruf frei von berufsfremden Aufgaben zum Wohle Bedürftiger ausgeübt zu haben. Ich durfte mal wieder „nur" Medizin machen! Die Patienten habe ich ausnahmslos als geduldig und dankbar erlebt. Nach vier Tagen ging es wieder per Nachtflug zurück nach Frankfurt. Zurück bleibt eine Zufriedenheit, die sich wenigstens für kurze Zeit auch auf den Berufsalltag in Deutschland auswirkt. Ein Gefühl, das ich als deutscher Vertragsarzt schon oft verloren geglaubt hatte, flammte wieder auf: Der Arztberuf ist vielleicht wirklich der schönste Beruf auf der Welt, oder realistischer: er kann es sein."

Wer die Arbeit von Cargo Human Care unterstützen möchte: Kontoinhaber: Cargo Human Care e.V. Kontonummer: 16060600

Bankleitzahl: 5085255, Kreissparkasse Gross Gerau, IBAN: DE40 5085 2553 0016 0606 00 / SWIFT-BIC.: HELA DE F1GRG

Spenden an CHC sind steuerabzugsfähig.

Artikel vom 25.02.2010